Mirjam Wicki:«Man muss einen Roman nicht plotten, man kann die Geschichte auch schreibend entdecken.»
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- vor 4 Tagen
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Mirjam Wicki schreibt seit sie einen Stift in der Hand halten kann. Von ihr gibt es Gegenwartsliteratur, Liebesromane und bald auch ein Jugendbuch zu lesen. Sie ist Hybrid-Autorin, veröffentlicht also sowohl mit Verlagen zusammen, aber auch als Selfpublisherin. Zu den Schweizer Schreibfrauen kam sie durch ein zufälliges Zusammentreffen mit Schreibfrau Regina Rinaku an der Frankfurter Buchmesse 2019. Seit sie von ihr damals in die Gruppe eingeladen wurde schätzt die Vielfalt, den Austausch, die Unterstützung und die persönlichen Treffen.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe bereits in der Schule gemerkt, dass ich mich durch Schreiben gut ausdrücken kann. Ich liebte es, Aufsätze zu schreiben, führte früh ein Tagebuch und schrieb ganz viele und lange Briefe.
Später, als Mutter von Kleinkindern, verarbeitete ich meinen Alltag in einem Mama-Blog. Als die Kinder grösser und die Themen persönlicher wurden, stellte ich den Blog ein, und so wurde Raum frei für einen Wunsch, der schon lange in mir schlummerte: Ich wollte einen Roman schreiben.
In einem Schreibworkshop bei Milena Moser lernte ich, dass man einen Roman nicht plotten muss, sondern die Geschichte auch schreibend entdecken kann . So entstand mein erstes Buch.
Ist das Schreiben eine einsame Angelegenheit?
Das ist eine der Überraschungen, die mir das Autorinnenleben beschert hat: Nein, schreiben ist nicht einsam! In Milenas Workshop lernte ich zwei Menschen kennen, die kaum unterschiedlicher hätten sein können als ich. Doch das Schreiben verband uns, und wir halfen einander durch das Erstellen unserer ersten Manuskripte.
Bald fand ich zudem heraus, dass eine gute Freundin von mir ebenfalls gern schreibt. Wir entwarfen gemeinsam Schreibworkshops und organisierten Schreibtreffen. Heute treffe ich mich einmal im Monat mit anderen Schreibenden und zudem einige Male im Jahr mit einer Gruppe schreibender Teenies, den «Young Writers», in der Bibliothek Niederlenz.
Auch online habe ich mich früh vernetzt. Durch das Schreibnachtforum fand ich zwei Writing-Buddy-Gruppen, von denen eine immer noch existiert, wenn auch nicht mehr so aktiv wie noch vor zehn Jahren. Auf Social Media habe ich viele Autor*innen kennengelernt, mit denen zum Teil ein reger Austausch stattfindet – online und im realen Leben. Und natürlich gehören auch die Schreibfrauen zu meinem Schreibnetzwerk.
Mein Schreiben lebt von Austausch und Begegnungen, gegenseitigem Motivieren, Brainstormen und Feiern.
Wie sieht dein Schreibplatz aus?
Immer wieder anders, da ich nur meinen Laptop brauche zum Schreiben. Der kann zu Hause auf dem Küchentisch oder im Büro stehen, im Naturgarten meiner Schreibfreundin Eva, in der Bibliothek, in einem Café, im Campingbüsli, irgendwo draussen oder auf einem dieser kleinen Tische im Zug.

Entwickelst du deine Charaktere während des Schreibens oder kennst du sie bereits, bevor du mit einer Geschichte beginnst?
Meine Geschichten fangen immer mit einer Figur an, die in meinem Kopf auftaucht. Manchmal weiss ich dann bereits, wie sie aussieht oder wie sie heisst, manchmal zeigt sie sich einfach nur in einer Szene. Dann fange ich an zu schreiben und lerne die Figur nach und nach besser kennen. Dazu gehört auch, dass ich viele Szenen schreibe, die ich später gar nicht brauche fürs Manuskript, aber sie waren wichtig, um die Charaktere kennenzulernen.
Sehr spannend war ein Erlebnis, das ich an einem Schreibworkshop von Catalin Dorian Florescu im Literaturhaus Aargau hatte: Wir machten eine Fantasiereise durch ein Haus und standen schliesslich vor einem Spiegel. In diesem sollten wir unsere Romanfigur sehen. Ich schaute in diesen imaginären Spiegel – und sah plötzlich ein ganz wichtiges Merkmal meiner Figur, von dem ich noch nichts gewusst hatte. Aber es ergab total Sinn, weil es ihr Verhalten noch einmal viel logischer machte.
Welches deiner Bücher magst du am liebsten?
Ich werde immer eine besondere Beziehung zu «Die andere Seite von SCHWARZ» haben, meinem ersten Selfpublishing-Roman. Der Ursprung dieser Geschichte liegt in meiner Teeniezeit: Als Fünfzehnjährige schrieb ich einen Liebesroman über zwei junge Menschen, die nach einigen Hürden – oh, Wunder – zusammenfanden. Als ich vierzig war, fand ich diesen Roman auf dem Estrich und war fasziniert von den Figuren, die ich damals erschaffen hatte. Ich fragte mich, wie es Alexa und Ian wohl heute ginge. Und so schrieb ich «Die andere Seite von SCHWARZ», eine Liebesgeschichte, die nach dem Happy End weitergeht.
Der Roman erschien 2019, und letztes Jahr habe ich ihm ein neues Cover und einen professionellen Buchsatz geschenkt.

Welche Risiken bist du auf deinem Weg als Autorin eingegangen? Und hat sich eines besonders gelohnt?
Ich empfinde jede Lesung, die ich organisiere oder zu der ich meine Zusage gebe, als Risiko. Werden Leute kommen? Wird meine Lesung sie unterhalten? Wird ihnen die Geschichte gefallen?
Bis jetzt hat es sich immer gelohnt. Die beiden Buchvernissagen, die unsere lokale Bibliothek in Niederlenz für mich organisiert hat, fanden jeweils vor einem grossen, interessierten und kauffreudigen Publikum statt. Andere Lesungen hielt ich vor kleinen Gruppen von fünf bis zehn Leuten. Manchmal verkaufe ich im Anschluss Bücher, manchmal nicht.
Aber immer gibt es interessante Begegnungen und Gespräche. Ich liebe und schätze diesen Austausch mit den Lesenden sehr.

Wer bist du abseits vom Schreiben?
Beruflich bin ich Primarlehrerin und Systemisch-lösungsorientierte Kurzzeitberaterin. Privat bin ich verheiratet, Mami von zwei (fast) erwachsenen Teenies und Kaninchenhalterin (oder eher Bedienstete von zwei Kaninchen). Zudem bin ich Camperin, Ganzjährig-in-der-Aare-Baderin, Puzzlerin, Konzertbesucherin, Wanderin, Träumerin und Naturliebhaberin.
Welche Bücher liest du Privat? Und hast du Lieblingsautor*innen?
Ich lese in verschiedenen Genres, auf Deutsch und Englisch: Fantasy, Romance, Jugendbücher, Kinderbücher, Krimis, historische Romane, Gegenwartsliteratur.
Dank der Vernetzung in der Buchbubble, speziell im Selfpublishing, habe ich in den letzten Jahren viele neue Autor*innen kennengelernt. Mein Bücherregal ist daher ein bunter Mix von bekannten und weniger bekannten Namen.
Autor*innen, deren Bücher ich sehr gern lese, sind Julia Dippel, Taleen Voskuni, Sophie M. Seller, Heiko Hentschel, Milena Moser, Catherine Strefford, Alice Gabathuler, Rebecca Gable, Jeanne Woodtli. Und immer wieder Astrid Lindgren und Sven Nordquist.
Was sind deine drei wichtigsten Tipps für Leute, die mit dem Schreiben beginnen wollen?
Bring deine Kreativität mit Hilfe von Schreibübungen zum Fliessen. Ich empfehle z.B. diese Bücher:
«Schreiben – eine Ermutigung» von Milena Moser
«Raum zum Schreiben» von Bonni Goldberg
Kartenset «Schreib dich ins Glück» von Dr. Kira Klenke
Vernetze dich mit anderen Schreibenden. Vielleicht hast du sogar Lust, einen Schreibworkshop zu besuchen? Gemeinsam schreibt es sich weniger allein, und sowohl das Anfangen wie auch das Dranbleiben fallen leichter.
Mach dein Ding!
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Danke für diesen interessanten Einblick in dein Schaffen. Es ist sehr anregend!
Herzlichen Dank für das interessante Interview, Mirijam!
Viel Glück und Erfolg,
Karin
Liebe Mirjam
Sehr spannend, das Interview mit dir zu lesen! Besonders interessant fand ich deine Aussagen zu Schreibtreffen und Schreibworkshops - etwas, was ich nicht kenne. Falls du mir einen Workshop (bzw. einen Organisator) empfehlen kannst, wär das toll.
Liebe Grüsse
Regula
Liebe Mirjam, So ein spannendes Interview :)! Ich finde deine Art entdeckend zu schreiben sehr cool. Vor allem auch, wo du überall schreibst. Die Buchtipps werde ich mir auch noch genauer anschauen. Danke für diesen Einblick! Liebe Grüsse, Edith