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Regula Reichen: Leben in einer Welt voller Tasten

  • schreibfrauen
  • 10. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Autorin Regula Reichen im Interview.


Regula Reichen ist seit 2018 Teil der Schweizer Schreibfrauen und schätzt den Austausch zwischen so verschiedenen Schreiberinnen und natürlich die gemeinsamen Projekte – wie die Treffen, den alljährlichen Adventskalender auf Facebook oder die gemeinsame Website. Sie selbst ist ausgebildete Werbetexterin und beteiligte sich an verschiedenen Kurzgeschichten-Wettbewerben, bevor ihr ein ehemaliger Arbeitskollege vorschlug, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Seither hat das Autorenduo zwei Romane im Selbstverlag veröffentlicht und schon bald erscheint ihr drittes Werk.



Wie bist du zum Schreiben gekommen?


Schreiben war immer toll, seit ich die Buchstaben kenne. Aber phantasieren und erfinden mochte ich nicht. Lieber schrieb ich Tagebuch und Briefe. Erst als ich als 40-Jährige die Ausbildung zur Werbetexterin machte, wurde meine Phantasie geweckt: Wir lernten verschiedene Textarten kennen, mussten überzeugende Werbetexte für Dinge schreiben, die wir kaum kannten, und in kurzer Zeit produktiv sein. Plötzlich hatte ich Lust, an Schreibwettbewerben mitzumachen. Dabei lernte ich Texte zum selben Thema von anderen Autoren und Autorinnen kennen, was mich zusätzlich inspirierte. Irgendwann dann die Idee, einen richtigen Roman zu schreiben. Nach den ersten beiden Romanen sogar die Lust, öfter als nur alle paar Jahre zu veröffentlichen. Das brachte mich zum Bloggen. Hier habe ich mehr Freiheit und muss weniger auf Perfektion achten. Mittlerweile gehört schreiben und veröffentlichen zu meinem Alltag.



Ist das Schreiben eine einsame Angelegenheit?


Einerseits ja. Tippen und Texte produzieren muss ich alleine.

Andererseits ganz klar nein! Romane schreibe ich im Autoren-Team. Dabei entwickeln wir gemeinsam Ideen. Wenn einer von uns nicht mehr weiter weiss oder eine Blockade hat, schreibt der andere weiter und damit motivieren wir uns gegenseitig. Auch die ersten Korrekturen – insbesondere zu Verständnis und Logik – können wir auf diese Weise rasch erledigen.

Ich suche mir auch zusätzliche Inspiration und Kontakte zum Schreiben. Die Facebook-Gruppe der Schweizer Schreibfrauen hat mir das Wirken von ganz unterschiedlichen Schweizer Autorinnen auf eine sehr persönliche Art näher gebracht. So stosse ich in Bücherläden oder in der Bibliothek immer wieder auf Bücher, deren Autorinnen in der Gruppe sind und die mir vielleicht sonst nicht aufgefallen wären.

Zum Bloggen bin ich ebenfalls durch verschiedene Blog-Challenges von Judith Peters gekommen. In einer grossen Gruppe am selben Thema arbeiten, bei der Veröffentlichung mit demselben Link oder Hashtag verlinken – das motiviert und verbindet!




Wie sieht dein Schreibplatz aus?


Seit die Kinder ausgezogen sind, habe ich ein eigenes Zimmer mit einem grossen, ziemlich aufgeräumten Schreibtisch und Blick aus dem Fenster zu hohen Sträuchern, in denen Vögel herumhüpfen. Wenn ich richtig Ruhe brauche, kann ich sogar die Zimmertür schliessen.

Früher schrieb ich zu Hause auf dem Sofa mit dem Laptop auf den Knien und oft auch in Restaurants oder auf einer Bank am Waldrand, weil ich dort weniger Ablenkung durch Familie und Haushalt hatte.



Autorin Regula Reichen mit Laptop.



Entwickelst du deine Charaktere während des Schreibens oder kennst du sie bereits, bevor du mit einer Geschichte beginnst?


Wir entwickeln die Charaktere vor dem Schreiben, indem wir uns an den Typen des Enneagramms orientieren. Doch so gerne wir planen – die Charaktere entwickeln sich während des Schreibens noch ziemlich stark weiter.




Wann wurde dein erstes Buch veröffentlicht?


Im Dezember 2018 erschien unser erster Roman «Die Sonate – Suche nach Wahrheit und Liebe in leidenschaftlichen Begegnungen»:Vier Protagonisten, die sich in vier Ländern bewegen, verweben sich zu einer Geschichte wie die vier Sätze der Sonate von Friedrich Händel, die immer mal wieder in einer Szene erklingt. Im Zentrum stehen Johannes, ein Theologiestudent aus Süddeutschland, und Amélie, eine Musikerin aus Frankreich. Sie lernen sich an einem Konzert in Jerusalem kennen, schreiben sich fortan Briefe und besuchen sich gelegentlich. Doch Amélie hat wenig Zeit, ist zu Hause stark engagiert und kümmert sich um ihre Schwester und um Reyna, eine Frau, die aus Syrien geflüchtet ist. Johannes begegnet derweil der wilden und leidenschaftlichen Noée, die jedoch auch besitzergreifend und eifersüchtig ist. Obwohl Johannes spürt, dass Amélie mehr in der Wahrheit lebt, ist er fasziniert von Noée. Während er hin und her gerissen ist, macht er im Büro seines Vaters eine Entdeckung, die sein Leben und sein Verständnis von Wahrheit grundlegend verändert.




Cover "Wo die Reben wachsen"
Bald erscheint das dritte Buch von Regula Reichen und Reinhold F. Schmid



Welche Risiken bist du auf deinem Weg als Autorin eingegangen? Und hat sich eines besonders gelohnt?


Mein Risiko war, das ich viel Zeit in eine Arbeit stecke, deren Ausgang und Erfolg unvorhersehbar war. Zudem muss ich mich mit der Veröffentlichung eines Buches auch ein wenig selbst «veröffentlichen». Das brauchte zu Beginn viel Überwindung.

Ja, beide Risiken haben sich für mich gelohnt. Mein persönlicher Erfolg ist, dass ich etwas für mich Grosses – den Roman – zu Ende geschrieben habe und jetzt in den Händen halten kann. Über mich reden und erzählen, was meine Leidenschaft ist, finde ich immer noch herausfordernd, aber gut.



Autorin Regula Reichen beim schreiben.



Wer bist du abseits vom Schreiben?


Wie auf meinem Blog ersichtlich wird, liebe ich nicht nur die Tasten des Laptops, sondern auch alle Tasteninstrumente wie Klavier, Cembalo und Orgel. Die Musik – ob Tasten oder Singen – macht einen grossen Teil meines Lebens aus. Zudem habe ich eine Familie und einen Garten und bin bei einer grossen NGO in der Marketing-Abteilung angestellt.




Welche Bücher liest du Privat? Und hast du Lieblingsautoren?


Noch viel mehr als Autorin bin ich Leserin! Es vergeht kaum eine Woche, ohne ein zu Ende gelesenes Buch. Ich mag vor allem Romane, Lebensgeschichten (insbesondere von Frauen) und Zeitgeschichte oder auch Erzählungen aus anderen Ländern. Wenn ich Sachbücher lese, dann meist mit Themen zu Persönlichkeitsentwicklung oder christlicher Mystik.


Bücher von den Autorinnen Federica de Cesco und Irina Korschunow haben mich als Kind, Jugendliche und Erwachsene begleitet. Das sind zwei von vielen Lieblingsautorinnen.




Was sind deine drei wichtigsten Tipps für Leute, die mit dem Schreiben beginnen wollen?


  1. Sei mutig und versuche es!

  2. Nimm dir viel Zeit und einen langen Atem. Das Buch muss weder in diesem noch im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

  3. Erzähle möglichst vielen Menschen in deiner Umgebung, dass du gerne schreibst. Damit machst du dir selbst Mut und bekommst in Gesprächen mit anderen viel Inspiration.




Lust mehr über Regula Reichen zu erfahren?




Autorin Regula Reichen




4 Kommentare


Regula Gmerkigs Blog
10. Juli

Spannend. Danke für deinen Einblick. Was ist unter "christlicher Mystik" zu verstehen?

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Regula
10. Juli
Antwort an

Liebe Regula, lies meine Blogbeiträge aus der Rubrik „Spiritualität“: https://tastenundtasten.ch/category/spritualitaet/

Ausserdem habe ich mich im vergangenen Jahr intensiv mit den Texten von Madeleine Delbrêl beschäftigt.

Wir können uns gerne sonst mal austauschen 😊


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Karin Monteiro-Zwahlen
10. Juli

Besten Dank für das schöne Interview, Regula, und für in deine Schreibstube güxle zu dürfen. Das Du in einem Autorenteam schreibst find ich besonders spannend, da ich mir das für mich selber schlecht vorstellen kann. Deine Tipps kann ich voll unterschreiben!

Liebe Grüsse, Karin

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Edith Gould
10. Juli

Liebe Regula

Danke für diesen spannenden Einblick in dein Autorinnen-Leben. Mit Judith Peters haben wir sogar eine gemeinsame Verbindung - ich bin seit 3 Jahren in der TCS :) ... Herzliche Grüsse und einen tollen Buchstart mit "Wo die Reben wachsen"! Edith

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