Patrizia Lo Turco: «Das Schreiben ist meine Insel, in der ich ganz zu mir finde.»
- schreibfrauen
- 7. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

Patrizia Lo Turco ist erst seit Kurzem bei den Schweizer Schreibfrauen dabei. Ihren ersten Roman hat sie vor etwa 25 Jahren beendet. Publizieren konnte sie ihren zweiten Roman 2004. Seit 2008 ist sie Selfpublisherin. Zurzeit schreibt sie die Romanserie «Gina Di Dio auf Streife in Sizilien».
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Es kam zu mir. Als berufsbedingte Leserin (Studium von deutscher, italienischer und russischer Literatur- und Sprachwissenschaft, anthropologischer Psychologie) entstand und entwickelte sich eines Tages eine Geschichte mit Figuren in mir, die ich aufschreiben konnte.
Ist das Schreiben eine einsame Angelegenheit?
Es ist meine Insel, in der ich ganz zu mir finde. Da will ich alleine sein.
Band fünf allerdings habe ich in Paris geschrieben umgeben von Studentinnen und Studenten aus aller Welt in der «Bibliothèque Francois Mitterand» in Paris und auf einem Schiff, das zur Universität gehört.

Wie sieht dein Schreibplatz aus?
Viele Romane
entstanden im Bett. Die ersten beiden Romane schrieb ich ausschliesslich von Hand und habe sie beim Abtippen gleichzeitig noch einmal überarbeitet. Inzwischen schreibe ich direkt in den Laptop und komme in den gleichen Flow, weil ich mit geschlossenen Augen tippen kann.
Mein Schreibplatz ist mein Laptop. Das kann am Küchentisch sein, immer noch im Bett, auf dem Sofa, im Hotelzimmer.

Entwickelst du deine Charaktere während des Schreibens oder kennst du sie bereits, bevor du mit einer Geschichte beginnst?
Sie tauchen als Figuren auf und beginnen sich in mir zu entwickeln, bis ich beginne, ihre Geschichte zu erzählen. Während des Schreibens verändern sie sich, ich erfahre immer mehr über sie, sie treffen neue Leute, die wir gemeinsam kennenlernen.
Wann wurde dein erstes Buch veröffentlicht?
Mein zweiter Roman «HerZen» wurde 2004 beim Goldmann Arkana Verlag veröffentlicht. Das war absolut entscheidend für den weiteren Verlauf meines Schreibens, weil es mir die Selbstsicherheit und die Kraft gab, dranzubleiben, auch wenn das Buch nach drei Jahren aus dem Sortiment genommen wurde, da sich nur 1000 Exemplare anstatt der erwarteten 10'000 verkauften.
Deshalb habe ich die Rechte zurückbekommen und es dann selbst veröffentlicht, weil die Technologie inzwischen so weit war, dass dies überhaupt möglich war.
Der Roman handelt von der Begegnung zwischen eines christlichen Mönchs und einem japanischen Zen-Buddhisten, deren unterschiedliche Weltanschauungen aufeinanderprallen, da sie als Gefangene von südamerikanischen Rebellen gezwungen sind, sich damit auseinanderzusetzen.
Als Schülerin von Pater Niklaus Brantschen ging und geht es mir in diesem Roman um den interreligiösen Dialog.
Welche Risiken bist du auf deinem Weg als Autorin eingegangen? Und hat sich eines besonders gelohnt?
Ich bin keine Risiken eingegangen, weil ich als alleinerziehende Mutter die Ausbildung von zwei Kindern finanziert habe, und als Lehrerin einen wunderbaren Beruf habe, der mir alles ermöglicht.
Ich habe aber vor allem in den letzten Jahren viel Geld für ein professionelles Lektorat, für die Covergestaltung und für Übersetzungen investiert und das hat sich in jedem Fall gelohnt.
Wer bist du abseits vom Schreiben?
Mittelschullehrerin für Deutsch, Italienisch und Psychologie. Schülerberaterin und Meditierende.
Welche Bücher liest du Privat? Und hast du Lieblingsautoren?
Als Deutsch- und Italienischlehrerin vermischen sich oft berufliches und privates Lesen, da ich mich auf dem Laufenden halten muss, deshalb oft Gewinner:innen von Buchpreisen lese.
Ganz privat ist vor allem fremdsprachige Literatur, am liebsten japanische.
Was sind deine drei wichtigsten Tipps für Leute, die mit dem Schreiben beginnen wollen?
Schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben …
Das Geschriebene ruhen lassen, dann noch einmal lesen und überarbeiten, und zwar mehrere Male. Rückmeldungen von Profis einholen, lektorieren lassen.
Weiter schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben …
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Liebe Patrizia Wie cool, dass du Band 5 in Paris geschrieben hast! Ein wirklich schönes Interview. Ich freue mich schon sehr darauf, dich im Herbst an der Buchmesse in Brixen zu sehen! Grüessli, Edith