Plotten oder pantsen - planen oder drauflosschreiben?
- schreibfrauen
- 8. Mai
- 4 Min. Lesezeit

Ein Beitrag von Mirjam Wicki
Autorinnen reden gern von plotten oder pantsen, wenn es um die Frage geht, wie unsere Bücher entstehen. In diesem Artikel stelle ich die beiden Begriffe vor, und du kannst dir Gedanken machen, welche Methode besser zu dir passt.. Was ich bei der Recherche nämlich herausgefunden habe: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Du kannst plotten, pantsen oder beides mischen und dabei wunderbare Geschichten und Bücher entstehen lassen.
Was ist Plotten?
Der Plot ist die Struktur, mit der eine Geschichte erzählt wird. Wenn du dein Buch plottest, planst du im Voraus, was passieren wird und welche Figuren dafür wichtig sind. Dafür gibt es Methoden, an denen du dich orientieren kannst, z.B. die Heldenreise, die Drei-Akt-Struktur oder «Save the cat». Zu allen diesen Methoden gibt es Bücher und diverse Artikel im Internet.
Als Plotterin hast du also einiges an Arbeit vor dir, bevor du anfängst, die eigentliche Geschichte aufzuschreiben. Dafür hast du anschliessend Leitplanken, denen entlang du schreiben kannst. Du weisst, dass deine Story am Ende aufgehen wird und wie lang sie ungefähr wird. Wenn du dein Buch im Selfpublishing veröffentlichen willst, kannst du dir bereits während des Schreibprozesses Gedanken machen zu Cover, Klappentext und Marketing des Buches. Als Verlagsautorin kannst du dem Verlag genau sagen, was er von dir bekommen wird.
Allerdings besteht die Gefahr, dass dein erstellter Plot Lücken aufweist, sogenannte Plotholes, die dir beim Planen nicht aufgefallen sind. Diese unterbrechen oder behindern den Schreibprozess. Im besten Fall findest du dank deiner Planung rasch heraus, wie du das Loch stopfen kannst und welchen Strang du ändern musst, damit es wieder passt. Womöglich musst du aber einen grösseren Teil der Planung anpassen, damit du weiterschreiben kannst.
Was ist Pantsen?
Der Ursprung des Wortes ist der englische Ausdruck «writing by the seats of your pants». Dieser lässt sich schwer übersetzen, heisst aber so viel wie «schreiben auf gut Glück». Die Methode wird auch entdeckendes Schreiben genannt.
Als Pantserin hast du eine Idee für eine Geschichte und schreibst gleich drauflos. Du hast höchstens einen vagen Plan, wo dich die Story hinbringen wird, und bist jederzeit bereit, diesen fallenzulassen. Kreativität und Intuition leiten deinen Schreibprozess. Dabei kommst du an Orte, mit denen du nie gerechnet hättest, und siehst deine Figuren Dinge tun, die dich selbst am meisten überraschen. Pantsen macht Schreiben zu einem spannenden Abenteuer.
Wie jedes Abenteuer birgt es allerdings die Gefahr, dass du dich überforderst, irgendwo nicht mehr weiterkommst, umkehren oder Umwege machen musst. Im schlimmsten Fall musst du sogar zurück zum Start, weil du dich so verlaufen, resp. verschrieben, hast und keinen Plan hast, wo du falsch abgebogen bist. Es kann sein, dass deine Geschichte doppelt so lang wird, wie du gedacht hast, oder dass sich eine Nebenfigur entscheidet, zur Hauptfigur zu werden. Dies macht es schwierig, den Veröffentlichungsweg im Voraus zu planen, das Buch zu bewerben oder einem Verlag anzubieten.

Was ist besser, plotten oder pansten?
Am Ende braucht jede Geschichte einen Plot, eine Struktur und Charaktere, die die Lesenden fesseln. Während die Plotterin das Erstellen der Struktur und das Erarbeiten der Charaktere im Voraus macht, erbringt die Pantserin diese Arbeit während des Schreibens und Überarbeitens.
Jede Geschichte entsteht durch Kreativität. Die Plotterin bündelt diese im Voraus und bringt sie geordnet aufs Papier, während die Pantserin sich von ihr durch den Schreibprozess leiten lässt.
Ein Buch zu schreiben braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Ich glaube, jeder Schreibprozess führt an Punkte, wo sich plötzlich alles zu kompliziert oder zu langweilig anfühlt, und man in Gefahr ist aufzugeben. Ob es dann der gemachte Plan ist, der einen hilft, den Faden wieder aufzunehmen, oder ob man sich mutig zurück ins entdeckende Abenteuer stürzt, hängt von der gewählten Methode, den eigenen Vorlieben und der Geschichte ab.
Oder doch plantsen?
Viele Autorinnen wählen eine Mischform aus plotten und pantsen. Sie erstellen zwar einen groben Plan, halten sich aber nur bedingt daran und lassen den Figuren viel Freiheit. Oder sie legen fixe Eckpfeiler der Geschichte fest und entdecken die Teile dazwischen während des Schreibens. Oder sie schreibe drauflos, bis sie herausgefunden haben, wohin die Geschichte führt und wer wichtig ist, und machen dann einen Plan.
Die Magie der Geschichte
Vielleicht hast du auch schon gehört, wie eine Autorin begeistert oder verzweifelt ausgerufen hat: «Meine Figuren machen wieder, was sie wollen!» Hier kommt aus meiner Sicht ein Stück Magie ins Spiel: Unabhängig davon, ob du plottest oder drauflosschreibst, werden deine Figuren ein Eigenleben entwickeln. Sie halten sich nicht an deinen Plan, überraschen dich mit einer unerwarteten Handlung, drängen sich in deine Gedanken, deinen Alltag, vielleicht sogar in deine Träume. Immer wieder stehst du vor der Entscheidung: Lass ich sie machen, oder bestimme ich, wo es langgeht? Kaum ein Buch wird am Ende genauso, wie es geplant wurde. Kaum ein Charakter hält sich exakt an den Plan der Autorin. Aber jede Autorin ist die Magierin ihrer Geschichte und hält deren Fäden in den Händen. Die einen als Plotterinnen, die anderen als Pantserinnen und die meisten als Mischung der Methoden.
Über die Autorin Mirjam Wicki
Mirjam Wicki schreibt Romane für Erwachsene und Jugendliche. Ihre Erzählungen handeln von Liebe, Freundschaft, Familie, und dem Mut, sich selbst zu sein. Authentische Figuren, lebensnahe Geschichten, Diversität und sorgfältige Recherche sind ihr wichtig.
Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet Mirjam Wicki als Lehrerin. Sie ist Mutter von zwei jungen Erwachsenen und zudem Camperin, Leserin, Kaninchenhalterin, Ganzjährig-in-der-Aare-Baderin, Puzzlerin, Konzertbesucherin, Naturliebhaberin und vieles mehr.

5 schnelle Fragen an Mirjam Wicki
So halte ich meine Ideen fest: Hauptsächlich in meinem Kopf, nach dem Motto «wenn ich es wieder vergesse, war es nicht so wichtig». Aber natürlich habe ich wie jede Autorin Unmengen an Notizbüchern, in denen ich meine Ideen eigentlich festhalten könnte.
Früher Vogel oder Nachteule? Tagsüber-Schreiberin.
Team E-Book oder Taschenbuch? E-Book, die passen besser in den Rucksack und das Camping-Büsli. Und ich kann im Dunkeln darin lesen, so störe ich meinen Mann nicht, wenn ich vor dem Einschlafen noch «ein paar Seiten» lese.
Planerin oder Bauchschreiberin? Pantserin!
Mein Geheim-Tipp gegen Schreibflauten: Schreibtreffs mit anderen Autorinnen. Wenn ich mich zum Schreiben verabrede, schreibe ich auch wirklich.

Ich bin definitiv plantserin, aber den Ausdruck kannte ich vorher nicht. Vielen Dank für die Aufklärung
Danke für deinen interessanten Beitrag, liebe Mirijam. Ich wusste, was ein Plot ist, aber der Begriff pantsen oder gar plansten war mir neu.
Das hier fasziniert mich seit meinem Novemberschreibroman (Zitat aus deinem Beitrag): "«Meine Figuren machen wieder, was sie wollen!» Hier kommt aus meiner Sicht ein Stück Magie ins Spiel: Unabhängig davon, ob du plottest oder drauflosschreibst, werden deine Figuren ein Eigenleben entwickeln. Sie halten sich nicht an deinen Plan, überraschen dich mit einer unerwarteten Handlung, drängen sich in deine Gedanken, deinen Alltag, vielleicht sogar in deine Träume." Beim Novberschreiben habe ich das erste Mal erlebt, wie meine "rote Frau", die ich zuerst in meinem Traum sah und dann durchs Schreiben ins Leben holte, ein Eigenleben entwickelte und mir…
Endlich fühle ich mich nicht mehr so schlecht, weil sich meine Figuren nicht an meine Pläne halten. Bisher hielt ich dies immer für einen Mangel an meinen Fähigkeiten, eine Geschichte ordentlich zu planen. Vielen Dank, dass du mir das erklärt hast. Ich finde es immer sehr spannend, wenn meine Figuren ihr Eigenleben zu entwickeln beginnen und ich ihnen folgen kann. Dann erst fühlt es sich "richtig" an! 😀
Besten Dank für diesen tollen Beitrag, Mirijam! Ich bin wohl ziemlich klar eine Pantserin, allerdings weiss ich das erst dank deinem Artikel.😀
Liebe Mirjam, Danke für diesen Einblick in die Welt des plottens und panstens. Danach bin ich wohl eine Plansterin :). Und übrigens, deine Webseite ist voll schön :)! Herzlich, Edith