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5 Tipps für die Recherche oder: Wie finde ich als Autorin Informationen?

  • schreibfrauen
  • 13. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Apr.



Ein Beitrag von Eva-Maria Müller


Die Recherche ist für jede Autorin ein wichtiges Thema. Denn früher oder später kommst du nicht darum herum: Deine Romanheldin ist Ornithologin, es geschieht ein Giftmord, dein Roman spielt in Frankreich oder in der Vergangenheit. Kurz, es taucht die Frage auf: wie finde ich als Autorin Information, damit mein Plot glaubwürdig ist?

Ich setze voraus, dass du den Umgang mit Suchmaschinen, YouTube, Wikipedia, Sozialen Medien etc. für die Recherche kennst. Da ich historische Romane schreibe, die in einer Zeit spielen, als es noch kein Internet gab, bin ich bei der Recherche immer wieder mit Hürden konfrontiert, die nicht immer einfach zu nehmen sind. Darum hier fünf Tipps, die dir hoffentlich als Autorin bei der Recherche weiterhelfen.



Tipp 1: Sammlungen der ETH für deine Recherche


Du brauchst gar nicht bis ins 19. Jahrhundert zurückzugehen. Vielleicht möchtest du in deinem Roman Erinnerungen einfügen, die zehn oder zwanzig Jahre zurückliegen. Was bewegte damals die Menschen? Wie sah eine Ortschaft aus?

Die ETH bietet eine Unmenge an Information auf unterschiedlichen Plattformen, die für alle kostenlos zugänglich sind. Hier die wichtigsten Quellen für deine Recherche:


  • Zeitungen: Leider fehlen die Zeitungen aus der Innerschweiz, aus Appenzell und aus Glarus. Aber wenn ein Ereignis bis nach Genf Wellen schlug, ist es wahrscheinlich für deine Recherche wichtig. Hier kannst du in alten Zeitungen stöbern: https://www.e-newspaperarchives.ch/

  • Zeitschriften: In Zeitschriften findest du oft spannende Artikel, die du für deine Recherche nutzen kannst. Vom Jahresbericht des Schweizer Idiotikons bis zu den Neujahrsblättern unterschiedlicher Kantone, von der Militärzeitung bis zu Blättern der Frauenbewegung: https://www.e-periodica.ch/

  • Seltene Dokumente: Viele alte Dokumente sind für eine Recherche nicht in Bibliotheken zu finden. Vielleicht hast du hier Glück: https://www.e-rara.ch/

  • Bilder: Zahllose Fotografien, Grafiken oder Gemälde sind ebenfalls abrufbar. Mir dienen sie meist zur Inspiration. Wenn du sie zur Illustration nutzen möchtest, kläre die Bildrechte vorher ab: https://e-pics3.ethz.ch/de/home/

  • Audiovisuelle Dokumente: Wie verlief eine Landsgemeinde in den 50er Jahren? Wie sah eine Flugshow aus? Um solche Fragen bei deiner Recherche zu beantworten, gibt es auch alte Filme zur Inspiration unter: https://memobase.ch/de/start und hier eine Übersicht von weiteren Sammlungen von der Universität Zürich: https://www.adfontes.uzh.ch/ressourcen/film-und-videoquellen/online-film-und-videoarchive



Tipp 2: Historische Karten für deine Recherche


Du möchtest für deine Recherche als Autorin wissen, wie eine Ortschaft früher aussah, welche Strassen, Wege oder Eisenbahnlinien gebaut waren? Wo es Wald gab oder Brücken? Dafür gibt es ein faszinierendes Werkzeug von Swisstopo. Es nennt sich «Zeitreise».

Hier kannst du in ein früheres Jahr zurückreisen. Gib einfach die Jahreszahl ein, für die du dich bei der Recherche interessierst. Darüber hinaus kannst du mit einem Transparenzregler eine aktuelle Karte mit einer historischen verschmelzen lassen. Die Karten gehen bis zur allerersten Schweizer Karte, der Dufoukarte von 1845-1865, zurück. Du siehst mit eigenen Augen, wie sehr unser Land verbaut worden ist.



Landkarte



Tipp 3: Unterschiedliche Schreibweisen für dein Keyword


Gerade in alten Dokumenten war die Schreibweise häufig recht eigenwillig. Mein erster Roman spielt z. B. in Flüelen am Gruonbach. Um in Zeitungen oder auch im Archiv Information zu finden, musste ich die Schreibweise variieren: Gruonbach, Grunbach, Grünbach und so weiter. Das ist bei Eigennamen wichtig, die oft sehr unterschiedlich geschrieben wurden.

Da es mehrere Rechtschreibreformen gab, gibt es für dich bei der Recherche vielleicht zu beachten:


  • Gebrauch von ‚th‘: Rothhaus oder Rothaus?

  • Gebrauch von ,ss‘ oder β?

  • Da die Erkennung durch OCR-Software von Frakturschrift nicht immer optimal klappt: oft werden s und f miteinander verwechselt.

  • Im englischen Sprachgebrauch: britische oder amerikanische Schreibweise

  • Versuche es auch mal mit häufigen Tippfehlern



Tipp 4: Lies für deine Recherche Fussnoten und Anmerkungen


Gerade auf Wikipedia oder im Historischen Lexikon der Schweiz (https://hls-dhs-dss.ch/de/) findest du oft interessante Beiträge. Wenn du dich in ein Thema vertiefen möchtest, dann lohnt sich möglicherweise, die Fussnoten und Anmerkungen zu lesen. Darin findest du oft Quellenangaben, manchmal sogar hilfreiche Links. Wenn du Autor/ Autorin und Titel eines Werkes kennst, ist es viel einfacher das Buch in einer Bibliothek oder auch bei Google Books aufzuspüren, das du sonst nie gefunden hättest.



Tipp 5: Bibliotheken für deine Recherche


Vielleicht denkst du: ich wohne zu weit weg von Zürich. Warum sollte ich mich für den Bestand der Zentralbibliothek interessieren?

Die Antwort ist einfach: in Büchern findest du viel Information, oft viel verlässlichere als auf dem Internet. Zudem ist der Katalog der Zentralbibliothek Zürich digitalisiert. Du kannst daher zuhause darin schmökern. Dann bestellst du dir Bücher in den Lesesaal und bei einem Besuch nach Zürich vor Ort studierst du das Buch oder leihst es aus. Übrigens: Rücksendung mit der Post ist möglich, damit du nicht zweimal den Weg auf dich nehmen musst.

Da viele Bibliotheken miteinander verbunden sind, kannst du dir bestimmte Werke in deine Nähe senden oder dir eine Kopie erstellen lassen. Diese unglaubliche Bibliothek ist gratis, nur einzelne Dienstleistungen kosten.

Auch in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern gibt es viel zu entdecken: https://www.nb.admin.ch/snl/de/home.html


Ich hoffe, die 5 Tipps für die Recherche helfen dir als Autorin einfacher Information zu finden. Lass es mich in den Kommentaren wissen. Wenn du spezifische Fragen hast, helfe ich gerne weiter. Zum Thema Recherche für Autorinnen könnte man noch viel schreiben…



Bibliothek



Über die Autorin Eva-Maria Müller


Dr. Eva-Maria Müller wurde in Luzern geboren und studierte an der Universität Zürich. Ihre Dissertation, Heinrich Danioths literarisches Werk – Spiegel seines Wesens und der magischen Welt, wurde von der Bibliotheksgesellschaft Uri veröffentlicht und zeigt ihre fundierte Auseinandersetzung mit der Schweizer Kultur und Geschichte.

Als erfahrene Ghostwriterin hat sie über ein Dutzend Biografien und Sachbücher verfasst. Eines davon, Erlebnis Gitschenen – Führer zu einer Alp in den Urner Bergen, wurde mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Ihre Fähigkeit, Menschen und deren Geschichten einfühlsam und präzise darzustellen, zieht sich durch ihr gesamtes Schaffen.

Mit familiären Wurzeln in Glarus und Uri verbindet Eva-Maria Müller persönliche Faszination für die Geschichten ihrer Vorfahrinnen mit historischer Expertise. In den Jahren 2022 und 2024 veröffentlichte sie im Eigenverlag zwei Romane, die über das Leben ihrer Urgroßmutter mütterlicherseits berichten. Es ist die ergreifende Lebensreise einer Frau im Schatten der grossen Schweizer Bauwerke Axenstrasse und Gotthardbahn.

Dr. Eva-Maria Müller lebt in Uster und schreibt mit Leidenschaft historische Romane, die Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.



Autorin Eva-Maria Müller


5 schnelle Fragen an Eva-Maria Müller:


So halte ich meine Ideen fest: Oft auf Papier von Hand, z. B. Mindmaps, manchmal auch am PC, dort Ideen im Präsens schreiben, ohne Bewertung.

Früher Vogel oder Nachteule?: Eher früher Vogel.

Team E-Book oder Taschenbuch?: Hardcover

Planerin oder Bauchschreiberin?: Ich versuche zu planen, aber meine Figuren wollen sich nicht daran halten 😊

Mein Geheim-Tipp gegen Schreibflauten: Jeden Tag irgendetwas tun, was dich weiterbringt und im Flow hält, wie z. B. Recherche oder ein anregendes Buch zum Thema lesen oder…



Lust mehr über Eva-Maria Müller zu erfahren?








7 Kommentare


Gast
14. März

Sehr nützliche und fundierte Ratschläge. Für meine Recherchen hole ich Auskünfte bei jenen Personen, die sich in einem Fachgebiet auskennen, welches in meinen jeweiligen Krimi eine Rolle spielt..

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Regula Gmerkigs Blog
13. März

Was für ein interessanter Artikel. Vielen Dank für die guten Tipps.

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Karin Monteiro-Zwahlen
13. März

Sehr interessant. Herzlichen Dank!

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Regula
13. März

Ganz tolle Zusammenstellung! Den einen oder anderen Link werde ich bestimmt mal nutzen. Vielen Dank!

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Schweizer Maja
13. März

Toll, danke! Ich werde mich beim nächsten Recherchieren gerne daran erinnern und rumstöbern

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Beitrag: Blog2_Post

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