Buch veröffentlichen als Selfpublisher: 3 entscheidende Schritte
- schreibfrauen
- 17. Apr.
- 16 Min. Lesezeit

Ein Beitrag von Eva-Maria Müller
Du träumst schon lange: ich möchte ein Buch schreiben und es veröffentlichen. Aber du weisst nicht, wie du das tun kannst? Hier erhältst du wertvolle Tipps, wie auch du als Selfpublisher dein Buch veröffentlichen kannst.
Die gute Nachricht lautet: Heute kann jede und jeder ein Buch veröffentlichen. Es ist weder besonders kompliziert, noch kostet es eine Menge Geld. Dank der unzähligen Plattformen kann dieser Traum daher auch für dich Wirklichkeit werden und du hältst schon bald dein eigenes Buch in den Händen.
Die schlechte Nachricht lautet: «Ein Buch veröffentlichen» und «ein Buch verkaufen» sind zwei verschiedene Dinge. Oder anders gesagt: Nur weil du ein Buch veröffentlicht hast, verkauft es sich noch lange nicht.
So traurig es ist: ein Buch ist ein Produkt wie jedes andere. Es unterscheidet sich nicht von Zahnpasta oder Waschpulver. Es braucht eine grosse Anstrengung, um das richtige Publikum dafür zu finden. Auch wenn du dein ganzes Herzblut in das Schreiben deines Buches hast einfliessen lassen, vielleicht jahrelang darüber gebrütet und keine Mühen gescheut hast, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass es zum Bestseller wird.
Ob sich ein Buch gut verkauft oder nicht, sagt nur wenig über seine Qualität aus. Darum, zweifle nie an dir und deinen Fähigkeiten, sondern, suche Hilfe beim Marketing, wenn sich dein Buch nicht so gut verkauft, wie du gerne möchtest!
Wichtiger Tipp:
Wenn du als Selfpublisher dein Buch veröffentlichen willst, betrachte dich als Kleinunternehmerin und eigne dir alle Fertigkeiten an, die es dazu braucht. Das reicht von A wie «Angebot kreieren» bis Z wie «Zahlungen entgegennehmen». Um als Selfpublisher erfolgreich zu sein, musst du dich auch mit Marketing beschäftigen und deine ganze Kreativität nutzen.
Dazu könnte man viele verschiedene Artikel schreiben. Ich beschränke mich hier auf drei entscheidende Schritte, mit denen du als Selfpublisher dein Buch veröffentlichen kannst.
Was ist «Selfpublishing»?
Manchmal findest du auch andere Ausdrücke für Selfpublishing, wie zum Beispiel: Indie-Autorin (von «Independent»), Eigenverlag, Selbstverlag, Selbstverleger. All dies bedeutet, dass du dein Buch ohne klassischen Buchverlag veröffentlichst. Das ermöglicht dir, alle Rechte bei dir zu behalten, alles selbst zu kontrollieren und einen grösseren Anteil vom Verkaufspreis für dich zu behalten. Und vor allem: sofort damit loszulegen, ohne deine Energie auf die zermürbende Suche nach einem Verlag verschwenden zu müssen.
Auf der anderen Seite musst du ganz allein dafür sorgen, dass du dein Buch verkaufen kannst. Je nach den unten erwähnten Varianten trägst du damit auch ein grösseres oder kleineres finanzielles Risiko. Darum ist es wichtig, dass du Schritt Nummer 1 ganz genau durcharbeitest.
Schritt Nummer 1: Zwei wichtige Fragen klären
Bevor du mit dem Buch Schreiben beginnst, solltest du dir Zeit nehmen und zwei Fragen möglichst gründlich und ehrlich beantworten. Bemühe dich dabei, gut in dich hineinzuhorchen. Es kann auch hilfreich sein, diese Fragen mehr als einmal durchzudenken, damit du etwas tiefer unter die Oberfläche kommst und deine Motivation besser kennenlernst.
Wichtig: Aufgrund deiner Antworten wirst du Entscheidungen treffen und eine passende Strategie entwickeln.
Frage Nummer 1: Warum und wozu will ich mein Buch schreiben?
Es gibt unzählige Gründe, weshalb jemand ein Buch schreiben will. Ich gebe dir ein paar Anregungen, damit du erkennst, wie wichtig diese Frage tatsächlich ist. Gehe ins Detail, damit du Nutzen aus diesem Schritt ziehst!
Die Liste ist nicht abschliessend. Es können mehrere Gründe gleichzeitig sein und sie unterscheiden sich, ob du ein Sachbuch, einen Roman oder Lyrik schreibst.
Ich möchte ein Millionenpublikum erreichen und berühmt werden
Ich will reich werden
Ich habe eine Mission: mein Thema möchte ich mit möglichst vielen teilen und ihnen bei einem Problem helfen
Ich schreibe nur für mich, weil ich das schon immer tun wollte
Ich möchte ein schwieriges Erlebnis verarbeiten und anderen in ähnlichen Situationen Mut machen
Ich möchte Erinnerungen für meine Enkel und Urenkel festhalten.
Ich möchte mit meinem Buch als Expertin sichtbar werden. Alle sollen sehen, wie gut ich tatsächlich bin.
Ich will mein Buch als Unterlagen in meinem Seminar abgeben.
Ich liebe es, Menschen zu unterhalten und sie zum Lachen zu bringen.
Das Täterprofil von Krimis interessiert mich. Darüber will ich schreiben. Spannung liegt mir quasi im Blut.
Ich möchte Menschen berühren und sie mit ihren Gefühlen in Kontakt bringen.
Mein Buch soll die Welt verändern…
Selbstverständlich gibt es noch viel mehr Beweggründe. Finde für dich heraus, was dich zum Schreiben antreibt und was du mit deinem Buch erreichen möchtest. Oder anders ausgedrückt: Welches Ziel möchtest du mit deinem Buch erreichen?
Nur, wenn du dein Ziel kennst, kannst du eine Strategie entwickeln, mit der du dein Ziel erreichen kannst.
Wichtig: Deine Motivation und dein Ziel entscheiden darüber, ob du dranbleibst oder ob du irgendwann enttäuscht aufgibst.
Beispiel dafür, wie du deine Motivation und dein Ziel definierst
Ein Ziel wie «mein Buch soll die Welt verändern» kannst du nie erreichen. Es ist viel zu vage. Es ist, wie wenn du ins Reisebüro gehst und sagst: «Ich möchte ein Ticket nach Australien.» Das ist unmöglich. Versuche es einmal! Es geht nicht.
Die nette Dame dort wird unverzüglich sagen: «Gern, und wohin genau möchten Sie reisen?», weil «Australien» keine Destination ist. Du brauchst mehr Klarheit darüber, wohin du tatsächlich möchtest.
Das bedeutet für dich: du brauchst mehr Klarheit darüber, welcher Aspekt von «die Welt verändern» für dich wichtig ist. Was verstehst du darunter? Was genau möchtest du verändern?
Ich erfinde ein Beispiel. Du sagst vielleicht: «Die Menschen sollen mehr Liebe empfinden. Darum möchte ich Liebesromane schreiben.» Diese Aussage ist schon viel konkreter. Mit der zweiten Frage von unten kannst du noch mehr ins Detail gehen.
Ich hoffe, du verstehst, warum du dir Zeit für das Beantworten dieser Frage nehmen und ein wenig unter die Oberfläche dringen solltest. Nur du allein kannst wissen, was du willst, aber vielleicht hilft dir eine Freundin, dich bei dieser Frage nicht zu früh zufriedenzugeben.
Frage Nummer 2: Für wen will ich mein Buch schreiben?
Auch diese Frage ist sehr entscheidend für dich, und es lohnt sich, sie möglichst detailliert zu beantworten. Niemand kann ein Buch für alle schreiben! Das wird niemals funktionieren. Dein Publikum hat Einfluss auf deinen Stil, auf die Menge an Details, den Grad der Intimität, den du wählst…
Schreibst du also:
Nur für dich und deine Familie
Für deine Kundinnen und Kunden
Für Kinder oder Erwachsene?
Für Alte oder Junge?
Für Frauen oder Männer?
Für eine bestimmte Berufs- oder Hobbygruppe?
Für Spiesser oder Ausgeflippte…
Wichtig: Sobald du dir darüber klar geworden bist, für wen du dein Buch schreiben willst, kannst du für dich klären: Wo suchen diese Menschen danach? Oder wo triffst du sie? Gehen sie in Buchhandlungen? Suchen sie online? Und wenn ja, wo und wie genau? Kommen sie zu dir in deinen Laden? Oder zu Lesungen? Oder verschenkst du die Bücher sogar?
Extra Tipp: Vielleicht befragst du einige Menschen, die bereits von dir begeistert sind? Manchmal gehen wir nämlich von ganz falschen Voraussetzungen aus…
Beispiel dafür, wie du dein Publikum definierst
Gehen wir zurück zu den Liebesromanen. Was genau interessiert dich daran und für wen möchtest du sie schreiben? Wenn du damit «die Welt verändern» möchtest, könntest du zum Beispiel sagen: Ich schreibe für 16 – 25-jährige Frauen, die von der grossen Liebe träumen. Meine Romane sollen ihnen zeigen, worauf es bei einer Partnerschaft tatsächlich ankommt, um sie vor einer Enttäuschung zu bewahren. Sie sollen leicht lesbar und mit Happy End sein.
Andere Möglichkeit: Ich schreibe für 30 – 40-jährige Frauen, die gerade eine Familie gegründet haben und ihren Weg im Dreieck von Elternliebe, Eigenliebe und Partnerliebe finden müssen. Ich schreibe humorvoll, um sie aufzuheitern und ihnen zu zeigen, dass sie im Alltagschaos nicht allein sind.
Klingt viel fassbarer als «ich möchte die Welt verändern».
Schritt Nummer 2: In welcher Form willst du dein Buch veröffentlichen?
Heutzutage werden Bücher in ganz unterschiedlicher Form angeboten. Du hast die Wahl zwischen einem gedruckten Buch mit hartem Umschlag (Hardcover) oder einem Taschenbuch (Softcover), einem E-Book oder einem Hörbuch.
Alle diese Formate haben Vor- und Nachteile, und deine Wahl hängt sehr von deinen Antworten unter Schritt 1 ab.
Gedruckte Bücher
Wahrscheinlich stellen sich die meisten ein gedrucktes Buch vor, wenn sie davon träumen, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Der eigene Name steht auf dem Umschlag. Darauf bist du stolz. Du spürst es in den Händen, du bemerkst sein Gewicht, du riechst das Papier und die Farbe, du kannst darin blättern.
Und du kannst es signieren.
Das gedruckte Buch mit einem harten Umschlag hat den grössten Wert, wenn es um dein Prestige geht. Es adelt dich als Autorin. Das Taschenbuch eignet sich dazu auch, aber verleiht ein bisschen weniger Ansehen. Für ein gedrucktes Buch kannst du den höchsten Verkaufspreis verlangen.
Nachteile der gedruckten Bücher sind: Sie sind am teuersten und am aufwendigsten herzustellen. Sie haben ein bestimmtes Gewicht. Du brauchst spezielle Kenntnisse für das Formatieren der Druckvorlagen, das Cover soll möglichst zum Kauf einladen, und du musst sie eventuell auch verpacken und versenden, was zusätzliche Kosten verursacht.

E-Books
Oft wird behauptet, das E-Book sei das Buch der Zukunft. Es hat viele Vorteile, aber meiner Meinung nach kann es ein gedrucktes Buch nicht ersetzen. Das hängt natürlich wieder von den beiden Fragen von weiter oben ab.
Ein E-Book verursacht fast keine Kosten, und es kann problemlos auf der ganzen Welt verschickt werden. Die Leserinnen können sie auf ihren Readern überall mitnehmen. Es braucht wenig Aufwand für das Formatieren des Manuskripts und es kann einfach in unterschiedlichen Formaten für die Reader angeboten werden.
Aber ein E-Book zeichnet dich nicht wirklich als Autorin aus. Es hat keine hohe Wertigkeit und du kannst es nicht signieren. Geht es dir um internationale Reichweite, kann es die richtige Wahl sein. Möchtest du aber mit deinem Publikum in Kontakt sein, brauchst du wohl ein gedrucktes Buch.
Schritt Nummer 3: Wo willst du dein Buch veröffentlichen und verkaufen?
Diese Frage habe ich schon oben angesprochen. Sie ist für Autorinnen mit Selbstverlag sehr zentral. Es gibt folgende Möglichkeiten:
Im persönlichen Kontakt mit dem Publikum (Lesungen, Vorträge, Messen, Seminare, eigener Laden)
Über den Buchhandel
In einem eigenen online Shop
Über Plattformen, die «Prints on Demand» anbieten
Über Amazon
Über Kooperationspartnerinnen
Auch bei dieser Frage kommt es ganz auf dich und dein Publikum an, was sich am besten eignet, und du kannst verschiedene Absatzkanäle miteinander kombinieren.
Bücher drucken lassen
Hier gibt es zwei Möglichkeiten für Selfpublisher:
Möglichkeit 1: Digitale Druckereien
Du lässt eine bestimmte Menge Bücher aufs Mal drucken, die du bei dir lagerst und zu Lesungen mitnimmst. Heutzutage gibt es recht preiswerte online-Druckereien, bei denen du deine Bücher für wenig Geld drucken lassen kannst. Der Preis hängt von der Seitenzahl ab, ob du farbige Bilder einfügst und von der Papierqualität etc. In der Regel hast du die Auswahl zwischen einigen vorgegebenen Formaten. Wenn du ein anderes Format haben möchtest, ist es möglich, kostet aber bedeutend mehr.
Da diese Druckereien digital arbeiten, kostet ein Nachdruck nicht mehr als die erste Auflage. Das heisst, du kannst die erste Auflage klein halten und dadurch dein Risiko, auf unverkauften Büchern sitzenzubleiben, entsprechend minimieren.
Extra Tipps:
Bei der Wahl des Formats an den späteren Postversand denken!
Du musst dich selbst um eine ISBN-Nummer kümmern und die auf der Rückseite des Covers anbringen.
Bei der Gestaltung des Covers an den Beschnitt denken! Die Seitenzahl beeinflusst die Breite des Buchrückens, etc. Lasse dich unbedingt fachmännisch beraten, bevor dein Buch in Druck geht!
Druck in einer Offset-Druckerei kostet mehr und der Nachdruck ist teuer. Du brauchst eine hohe Auflage, damit die Kosten pro Exemplar erschwinglich werden.
Mögliche Keywords für deine Suche: Online Druckerei, digitale Druckerei, Digitaldruck online, Buch drucken lassen online etc.
Möglichkeit 2: Digitale Plattformen wie BoD, Lulu, ePubli, Bookmundo etc.
Bei Plattformen wie «Books on Demand» (es gibt ganz viele verschiedene Anbieter!) werden die Bücher immer nur dann gedruckt, wenn jemand ein Exemplar kaufen möchte. Wenn du möchtest, kannst du mit einer Auflage von einem einzelnen Exemplar beginnen. Anders gesagt: du hast kein Risiko für unverkaufte Bücher. Du kannst also deinen Gedichtband für 20 Freundinnen drucken lassen und damit «ein richtiges Buch» in Händen halten.
Bücher für den Eigenbedarf erhältst du zu einem reduzierten Preis.
Bei diesen Plattformen bist du stärker eingeschränkt, was das Aussehen deines Buches betrifft. Auch die Möglichkeiten auf der Autorinnenseite, sind eher bescheiden, auch wenn die als «Marketinginstrument» angepriesen wird.
Diese Plattformen bieten den Vorteil, dass du dich nicht um die ISBN-Nummer kümmern musst. Auch der Versand wird direkt ab Druckerei erledigt.
Du kannst den Verkaufspreis selbst bestimmen. Die Plattform gewährt dir Tantiemen. Sie erhält den Rest für die Dienstleistung, dein Buch zu drucken und zu versenden. Der kann höher oder tiefer sein. Hier lohnt es sich, Angebote zu vergleichen. Meist verdienst du so wenig an einem Buch, wie wenn du einen Verlag hättest, musst aber viel mehr selbst erledigen.
Du kannst auf diesen Plattformen dein Buch parallel als Hardcover, Softcover oder E-Book anbieten, falls du das willst, ohne höhere Kosten. Je nach deinen Zielen und deiner Strategie macht das mehr oder weniger Sinn.
Bei diesen Plattformen hast du mit Druck und Versand nichts zu tun, aber du erhältst auch keinerlei Information dazu, wer deine Bücher gekauft hat. Das bedeutet, du kannst keinen weiteren Kontakt zu deinem Publikum pflegen und es zum Beispiel nicht über dein neustes Werk informieren.
Extra Tipps:
Achte darauf, ob der Buchhandel von der gewählten Plattform beziehen kann, sie also mit dem Buchzentrum verbunden ist. Sonst werden Buchläden dein Buch nur in Ausnahmefällen ins Sortiment aufnehmen. Kleine Buchläden sind meistens offener als die grossen Buchhandelsketten. Dort musst du es persönlich anpreisen.
Buchläden lieben leider Bücher von Selfpublishern nicht und nehmen sie nur ungern ins Sortiment, mögen sie noch so toll geschrieben sein! Sie beurteilen sie als minderwertig, weil sie nicht in einem Verlag erschienen sind. Es verursacht ihnen zudem Mehrarbeit in der Buchhaltung. Wenn die Plattform aber mit dem Buchzentrum verbunden ist, können deine Kundinnen trotzdem über jede Buchhandlung bestellen. Das ist ein enormer Vorteil, wenn z. B. irgendwo ein Artikel über dich erschienen ist.
Der Buchhandel schlägt unter Umständen noch etwas auf deinen Verkaufspreis drauf, ohne dir das mitzuteilen. Der hohe Preis kann Kunden abschrecken, ohne dass du etwas dagegen unternehmen kannst.
Manche Plattformen verlangen «Exklusivität», d. h. du darfst nur über ihre Plattform verkaufen und nicht gleichzeitig über mehrere.
Beachte, von wo die Plattform versendet! Wir in der Schweiz haben bei Lieferungen ins oder vom Ausland hohe Gebühren und Portokosten.
Mögliche Keywords für deine Recherche: Books on Demand (es gibt eine Plattform, die so heisst, ist aber auch ein Überbegriff), Print on Demand, PoD, Self Publishing, Buch drucken on Demand, Buch selbst veröffentlichen etc.
E-Books veröffentlichen
E-Books kannst du einfacher selbst formatieren, z. B. als PDF-Datei oder als E-Pub. Da die Leserinnen im Reader die Grösse des Textes selbst wählen können, erübrigt sich hier oft ein ausgefeiltes Layout.
E-Books lassen sich über die Plattformen, die Prints on Demand anbieten, verkaufen oder über deinen eigenen Webshop. Mittlerweile bieten selbst Buchhandlungen E-Books an.
Für E-Books sind die Gewinnmargen meist sehr klein, weil die Kunden keine hohen Preise dafür bezahlen wollen. Sie eignen sich daher vor allem, wenn du ganz viele Exemplare deines Buchs verkaufen willst oder eine europaweite Reichweite anstrebst.
Sonderfall Amazon
Die wohl bekannteste und grösste Plattform für Bücher ist Amazon mit seinem Programm KDP, d. h. Kindle Direct Publishing. Dort bietet Amazon sowohl das Drucken von Büchern als auch den Verkauf von E-Books an, genau wie die anderen digitalen Plattformen. Amazon ist weltweit das grösste Versandhaus, nicht nur für Bücher. Ob es für dich die geeignetste Verkaufsplattform ist, hängt einmal mehr von deinen Zielen und deinem Publikum ab.
Amazon ist sehr international. Du erreichst – je nach deinem Genre und deinem Thema – am meisten Leute rund um den Globus. Aber die Konkurrenz ist enorm und auch die Bedingungen für Autorinnen sind meiner Meinung nach nicht gerade berauschend. Von allen Plattformen sind hier die Tantiemen am niedrigsten.
Zudem wird die Plattform gerade geflutet von Publikationen, die mittels KI in wenigen Stunden erzeugt werden. Das meiste ist zwar Ramsch, aber die schiere Menge macht es immer schwieriger für dich, dort gesehen zu werden, auch wenn du sehr hochwertige Ware lieferst… Wenn du über Amazon verkaufen möchtest, dann mache dich mit den dortigen Gegebenheiten vertraut!
Eigener Webshop auf deiner Website
Heutzutage gibt es fertige Shop-Lösungen, die es jeder Autorin ermöglichen, Bücher auf der eigenen Website zu verkaufen. Auch hier gilt leider: Nur, weil du einen Webshop führst, heißt das noch lange nicht, dass dort jemand einkauft. Falls dein Name bekannt ist, die Kunden in einer Suchmaschine damit nach dir suchen, kann dies eine interessante Möglichkeit sein, dein Buch zu verkaufen. Dort kannst du gedruckte oder digitale Bücher anbieten und hast alles selbst in der Hand.
Damit sich der Webshop lohnt, musst du dich mit digitalem Marketing beschäftigen. Bei einer Website fallen jährliche Hosting-Gebühren an.
Beispiele: Buch veröffentlichen als Selbstpublisher
Damit du meine Anregungen besser verstehst, möchte ich dir an zwei Beispielen zeigen, wie unterschiedlich deine Entscheidungen aussehen können. Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt keine «beste Plattform», die ich dir empfehlen könnte. Welches die beste Strategie für dich ist, hängt einmal mehr von den beiden Fragen unter Schritt Nummer 1 ab.
Beispiel 1: Grosse Reichweite, möglichst viele Exemplare verkaufen
Nehmen wir an, du schreibst sehr viel und leicht. Dein Fokus liegt weniger auf dem ultimativen Meisterwerk, sondern mehr darauf, möglichst viel Geld zu verdienen. Du denkst in Reihen, zum Beispiel von Fantasy-Romanen oder von Krimis. Dein Publikum liebt die leichte Lektüre und möchte einfach nur gute Unterhaltung, für die es aber nur wenig bezahlt. Vielleicht schreibst du sogar auf Englisch.
Für dich könnte Amazon die beste Lösung sein. Auf dieser Plattform suchen deine Leserinnen und Leser. Du verkaufst deine Werke für sehr wenig Geld, weil die Kundinnen dann nicht lange über den Kauf nachdenken.
Du beschränkst dich auf E-Books, weil du damit keine Kosten hast und problemlos nach Europa oder in die Welt verkaufen kannst. Der Gewinn pro Exemplar bewegt sich im minimalen Bereich. Aber die Menge macht’s.
Tipp: Es gibt viele Experten, die dich in die Geheimnisse des erfolgreichen Verkaufs auf Amazon einführen. Dort geht es darum, die geeignete Nische zu finden, um zum «Amazon Nummer 1» Verkaufshit zu werden, Buch-Launches zu organisieren oder mit gezielten Sonderrabatten die Leserinnen anzulocken. Ein solcher Kurs lohnt sich, wenn das deine Strategie ist.
Beispiel 2: Buch im Kundenkontakt verkaufen
Du bist eine Autorin mit einem Herzensanliegen. Das Buch dient dazu, mit deinem Publikum in Kontakt zu kommen und über dein Thema zu berichten. Du verkaufst es vorwiegend an Lesungen, bei Vorträgen oder auf Messen.
Dazu brauchst du gedruckte Bücher, und zwar eine grössere Anzahl auf Vorrat. Wahrscheinlich macht der Druck in einer online-Druckerei am meisten Sinn für dich oder du beziehst über die online-Plattform für den Eigenbedarf. Dein Buch ist dein Aushängeschild. Es trägt dein Anliegen zu den Menschen. Vielleicht ist der Erlös zweitrangig für dich, weil dein Buch deine Expertise zeigt und dir zu lukrativeren Einkommensquellen verhilft, z. B. als Rednerin auf Kongressen oder als Leiterin eines Seminars.
Kosten: als Selfpublisher ein Buch veröffentlichen
Weiter oben habe ich geschrieben: Du kannst für wenig Geld dein Buch veröffentlichen. Was bedeutet das?
Ich möchte dir hier ein paar Punkte nennen, wo Kosten entstehen können. In welcher Höhe die sind, hängt wiederum von deinem Ziel ab.
Druckvorlage: Du bist verantwortlich für die Dateien, die du zu einer digitalen Druckerei oder zu einer Plattform hochlädst, d. h. Text und Cover. Es ist wichtig, dass Schriften richtig eingebettet sind, die Farben richtig definiert werden, Schnittzugaben eingerechnet sind. Etc. Sowohl online Druckereien als auch Plattformen bieten Dienstleistungen an, die du dazu buchen kannst, wenn du dich nicht wirklich mit Grafikprogrammen auskennst. Du kannst dich auch an Freelancer wenden, die das für dich erledigen.
Lektorat und/ oder Korrektorat: Es kann sehr hilfreich sein, dein Werk vor dem Druck von einer Fachperson überprüfen zu lassen.
Illustration: es können Gebühren für Bildrechte oder für Grafiken anfallen.
Druckkosten: Sie sind abhängig von der Auflage und der «Ausrüstung» deines Buches. Dazu gehört auch das Binden oder ob du die Bücher z. B. einzeln in Folie schweissen möchtest. Wenn du dich für eine Online Druckerei entscheidest, musst du die Druckkosten im Voraus bezahlen. Es gibt dort einen Rechner, mit dem du siehst, wie sich deine Entscheidungen auf den Endpreis auswirken. Tipp: Es lohnt sich auch zu prüfen, wie hoch die Kosten für die Lieferung sind oder ob die im Preis inbegriffen sind.Wenn du über eine online Plattform dein Buch veröffentlichen möchtest, fallen keine Druckkosten im Voraus an, nur für deinen Eigenbedarf.
ISBN-Nummer: wenn du sie einzeln kaufst, kostet sie um die 100 Fr., im Multipack wird sie billiger, bei Plattformen kostet sie um die 15 Fr.
Versand: Wenn du dein Buch selbst verschickst, fallen Kosten für Verpackung und Porto an.
Belegexemplare für die Nationalbibliothek, ev. die Zentralbibliothek Zürich oder die Deutsche Nationalbibliothek, Rezensionsexemplare für Journalistinnen, Bloggerinnen etc.
Online Shop: Jährliche Gebühren für das Hosting und die URL. Bei Verkauf mit Kreditkarten bezahlst du eine kleine Gebühr, die direkt vor der Überweisung abgezogen wird. Bei Verkauf mit Rechnung erhältst du den vollen Verkaufspreis.
E-Books: fast keine Kosten, ev. für Layout, für Lektorat oder für eigenen Webshop
Marketing: Wenn du als Kleinunternehmerin unterwegs bist, muss wohl oft deine Kreativität die Kosten ersetzen, weil du hier sehr schnell sehr viel ausgeben kannst, ohne dass der Erfolg unmittelbar ersichtlich ist. Bei einer Gewinnmarge von wenigen Franken, liegt nicht sehr viel drin. Prüfe gut, was für dich Sinn macht, bevor du dein Geld ausgibst.Anders als ein Verlag, kannst du nicht auf ein Netzwerk von Vertretern zurückgreifen und musst dir Kontakte zu Medien mühsam erarbeiten. Auch ist der Verkauf über Buchhandlungen eher schwierig (siehe oben). Aber mit kreativen Ideen kannst du dein Buch an dein Publikum verkaufen und dein Ziel erreichen. Mit einer guten Strategie ist auch für dich Erfolg möglich!
Unternehmerisches Denken als Selfpublisher
Unternehmerisches Denken bedeutet, dass du dich nun ans Rechnen machen musst. Liste alle Kosten auf und dividiere sie durch deinen Verkaufspreis. Das ergibt die Anzahl Bücher, die du verkaufen musst, um aus den roten Zahlen zu kommen.
Wichtig: Wie viele Exemplare musst du verkaufen, um deine Kosten zu decken?
Und nun ehrlich: Wie realistisch schätzt du diese Zahl für dich ein? Als unbekannte Newcomerin, ohne Verlag im Hintergrund?
Wenn du z. B. 10'000 Exemplare absetzen musst, dann rate ich dir, deine Ansprüche an Perfektion zu überdenken. Hier geht es darum, deine Kosten in Relation zu deinem Ziel zu setzen. Oder anders ausgedrückt: Nicht alles, was wünschbar ist, ist nötig, um dein Ziel zu erreichen.
Überlege daher: Wo braucht es Perfektion und wo reicht auch etwas, was nur zu 80% perfekt ist? Wo kannst du Abstriche machen, ohne dein Ziel zu gefährden?
Wenn du die Bücher selbst verkaufst, ist das Cover weniger entscheidend, als wenn es gegen hunderte andere in der Buchhandlung überzeugen muss…. Wenn du nur für deine Familie schreibst, sind einige Tippfehler weniger tragisch. Wenn es Seminarunterlagen sind, reicht vielleicht eine einfachere Bindung. Und so weiter.
Lass deinen Traum, dein Buch zu veröffentlichen, nicht an den Kosten scheitern! Sei kreativ! Und geniesse dein Leben als Autorin.
Fazit für Selfpublisher
Als Selfpublisher ein Buch veröffentlichen, das ist möglich. Es erfordert, dir genügend Zeit für die erforderlichen Schritte zu nehmen. Du brauchst dazu Recherche, damit du die für dich geeignetste Lösung und Strategie findest. Und du brauchst unternehmerisches Denken, damit du deine Realität mit deinen Zielen in Übereinstimmung bringen kannst.
Bitte lasse es mich in einem Kommentar wissen, ob dir diese Tipps zu Buch veröffentlichen als Selfpublisher geholfen haben! Gerne beantworte ich auch weitere Fragen. Ich wünsche dir viel Erfolg!
Über die Autorin Eva-Maria Müller
Dr. Eva-Maria Müller wurde in Luzern geboren und studierte an der Universität Zürich.
Als erfahrene Ghostwriterin hat sie über ein Dutzend Biografien und Sachbücher verfasst. Eines davon wurde mit einem Innovationspreis für Marketing ausgezeichnet. Ihre Fähigkeit, Menschen und deren Geschichten einfühlsam und präzise darzustellen, zieht sich durch ihr gesamtes Schaffen. In den letzten 10 Jahren vor ihrer Pensionierung hat sie andere Menschen dabei unterstützt, ihr Buch zu veröffentlichen.
Mit familiären Wurzeln in Glarus und Uri verbindet Eva-Maria Müller persönliche Faszination für die Geschichten ihrer Vorfahrinnen mit historischer Expertise. In den Jahren 2022 und 2024 veröffentlichte sie im Eigenverlag zwei Romane, die über das Leben ihrer Urgroßmutter mütterlicherseits berichten. Es ist die ergreifende Lebensreise einer Frau im Schatten der grossen Schweizer Bauwerke Axenstrasse und Gotthardbahn.
Dr. Eva-Maria Müller lebt in Uster und schreibt mit Leidenschaft historische Romane, die Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.

5 schnelle Fragen an Eva-Maria Müller:
So halte ich meine Ideen fest: Oft auf Papier von Hand, z. B. Mindmaps, manchmal auch am PC, dort Ideen im Präsens schreiben, ohne Bewertung.
Früher Vogel oder Nachteule?: Eher früher Vogel.
Team E-Book oder Taschenbuch?: Hardcover.
Planerin oder Bauchschreiberin?: Ich versuche zu planen, aber meine Figuren wollen sich nicht daran halten 😊.
Mein Geheim-Tipp gegen Schreibflauten: Jeden Tag irgendetwas tun, was dich weiterbringt und im Flow hält, wie z. B. Recherche oder ein anregendes Buch zum Thema lesen.

Danke liebe Eva-Maria für deine wertvollen Tipps, deine Recherche. Mein erstes Büchlein "Geheimnisvolles Nidwaldnerland" habe ich über books on demand drucken lassen. Leider sind meine Selbstkosten auch nach Jahren noch nicht gedeckt und ich hocke zuhause auf ungefähr 150 Exemplaren. Das Bilderbuch "Geheimnis um die obere und untere Nas" habe ich ganz einfach über ifolor erstellt! Dies aus mehreren Gründen: eine einzige ISBN Nummer in der Schweiz kostet jetzt neu 120.-- (nicht 100.--) , dazu ein Exemplar an die Nationalbibliothek, ein teurer Druck andernorts wegen den farbigen Bildern. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, bis ich mich für dieses Bilderbuch zu dieser pragmatischen Lösung entschied. Vorteile: das Buch ist personalisierbar und auf diese Weise exklusiv und ich lasse nur auf Bestellung…
Liebe Eva-Maria Ein Artikel, der vor wertvollen Informationen fast aus den Nähten platzt ... Ich danke dir, dass du dein Wissen so grosszügig mit uns teilst! Herzlich, Edith