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Inwieweit ist es legitim, als Schweizer Schreibfrau KI im Schreibprozess zu nutzen?

  • schreibfrauen
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
Inwieweit ist es legitim, als Schweizer Schreibfrau KI im Schreibprozess zu nutzen?

Ein Beitrag von Regula Aeppli-Fankhauser


Ich habe in unserer Facebook-Gruppe der Schweizer Schreibfrauen eine kleine Umfrage gemacht – mit folgenden offenen Fragen:


Was passiert, wenn man KI bewusst als Werkzeug einsetzt?Wo fühlt sie sich hilfreich an – und wo fremd oder grenzwertig? Was bleibt für uns klar menschlich?


Zusätzlich bestand die Möglichkeit, vorgegebene Aussagen anzukreuzen.Ich danke allen Frauen, die sich an der Diskussion beteiligt oder abgestimmt haben.


Die Ergebnisse in Prozent:


  • Ich nutze KI bewusst nicht – 57 %

  • Ich habe es ausprobiert, nutze es aber kaum – 15 %

  • Ich nutze KI gelegentlich als Unterstützung – 3 %

  • Ich nutze KI regelmässig in bestimmten Phasen – 24 %

  • Ich bin unsicher und möchte mir eine Meinung bilden – 1 %



Was ich darin sehe:


1. Kaum Unentschlossene. Fast niemand sagt: „Ich weiss noch nicht.“ Das Thema scheint innerlich bereits entschieden.

2. Eine beachtliche Minderheit nutzt KI regelmässig. Knapp ein Viertel hat KI in den eigenen Schreibprozess integriert.

3. Eine kleine Mitte. Nur 3 % nutzen KI gelegentlich. Die meisten haben eine klare Haltung – entweder bewusste Distanz oder bewusste Integration.


Im persönlichen Austausch zeigten sich differenzierte Positionen:


  • Recherche → ja

  • Kurskonzepte → ja

  • Überblick verschaffen → ja

  • Perspektivwechsel / Ideen → ja

  • Schreiben lassen → nein

  • Lektorat → teils vorsichtig



Ein zentraler Kritikpunkt gegenüber dem Einsatz von KI – insbesondere beim Lektorat – war die Wahrnehmung, dass KI „immer gleich klingt“. Formulierungen würden zu glatt, zu ausgewogen, zu symmetrisch wirken.



Das hat mich nachdenklich gemacht:


Wenn die Sorge besteht, dass KI beim Lektorieren die eigene Stimme verändert – wie erleben wir dann eigentlich menschliches Lektorat? Vielleicht kennen einige von uns die Erfahrung, dass auch menschliche Rückmeldungen Texte stark verändern können.

Könnte es sein, dass Texte dann gleichförmig wirken, wenn zu wenig Eigenes darin steckt – keine klare Haltung, keine persönliche Stimme? KI kann keinen „Klang“ in einen Text hineinlegen. Sie ist keine Persönlichkeit. Aber sie kann strukturieren, spiegeln und verstärken, was bereits da ist.



Und noch eine Frage hat sich mir gestellt:


Richtet sich die Zurückhaltung gegenüber KI tatsächlich gegen die Technik – oder eher gegen die Sorge, eigene Stimmen zu verlieren? Die Angst, dass Texte irgendwann austauschbar klingen könnten.

Ich selbst arbeite mit KI – nicht, um schreiben zu lassen, sondern um Gedanken zu schärfen, zu ordnen und zu spiegeln. Auch beim Überarbeiten hilft sie mir, Wiederholungen zu erkennen oder Formulierungen zu glätten. Dabei entstehen für mich oft interessante Denkdialoge.

Ich möchte diese Gedanken nicht abschliessen, sondern bewusst offen lassen – und lade dich ein, deine eigenen Überlegungen im Kommentarfeld zu teilen.

Und vielleicht beginnt genau hier das eigentliche Nachdenken: nicht primär über KI, sondern darüber: was unsere Texte unverwechselbar macht.



Über die Autorin


Regula Aeppli-Fankhauser lebt und arbeitet in Nidwalden. Auf ihrem Gmerkigs-Blog hält sie Gedanken, Beobachtungen und Geschichten fest.

Ihre Texte sind in verschiedenen Anthologien erschienen und entstehen oft in Verbindung mit ihren Fotografien – sowohl in Form von Kurzgeschichten als auch von Gedichten. Zu ihren bisherigen Veröffentlichungen zählen unter anderem Beiträge in den Anthologien „Dieser Moment“ (2016), „An der Sonne“ (2017) und „F.CK you Corona“ (2021).

2020 veröffentlichte sie das zweisprachige Werk „Geheimnisvolles Nidwaldnerland“ mit Kurzgeschichten und eigenen Fotografien. 2026 erschien ihr Kinderbilderbuch „Das Geheimnis um die obere und untere Nas“.



Autorin Regula Aeppli


5 schnelle Fragen:


So halte ich meine Ideen fest:

Oft gar nicht – zumindest nicht sofort. Sie bleiben eine Weile im Kopf und werden dort weitergedacht. Und wenn sie hartnäckig genug sind, erzähle ich sie meinem Mann – zum Beispiel unterwegs auf einer Wanderung. Manchmal beginnt genau dort eine Geschichte.

Früher Vogel oder Nachteule?:

Ganz klar: Nachteule. Gedanken haben bei mir die Angewohnheit, erst dann richtig wach zu werden, wenn es draussen ruhig wird.

Team E-Book oder Taschenbuch?:

Team Taschenbuch. Ich mag es, Seiten zu wenden, Papier zu spüren und ein Buch wirklich in den Händen zu halten.

Planerin oder Bauchschreiberin?:

Eindeutig Bauchschreiberin. Vieles entsteht bei mir erst im Tun – manchmal auch nach langer „Reifezeit“. Mein Kinderbuch zum Beispiel hat über 20 Jahre in der Schublade verbracht, bevor plötzlich der richtige Moment da war.

Mein Geheim-Tipp gegen Schreibflauten:

Ich habe keinen. Wenn Flaute ist, ist Flaute. Dann schreibe ich nicht – und vertraue darauf, dass die Worte wiederkommen.



Lust mehr über Regula Aeppli zu erfahren?






5 Kommentare


Gast
vor einem Tag

Mich spricht die Frage nach dem menschlichen Lektorat an: Natürlich gibt es sehr verschiedene Lektor:innen mit verschiedenen Hintergründen und Fähigkeiten, es ist ja schliesslich keine geschützte Berufsbezeichnung. Als (auch) Lektorin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Autor:innen oft Zeit und Distanz brauchen, bis sie kritische Anmerkungen in ihren Text einarbeiten können, dann aber oft ganz neue und kreative Änderungen vornehmen, die nicht unbedingt meine Vorschläge waren, sondern ganz ihrem eigenen Stil und ihrer eigenen Stimme entsprechen. Als Lektorin sehe ich genau darin meine Aufgabe: nicht zu sagen, was ist richtig oder nicht, was besser, was schlechter, sondern die Autor:innen dazu anzuleiten, ihren Text selber kritisch zu überarbeiten. Ich bezweifle, dass das eine KI, die in erster Linie auf Kommerzialität trainiert…

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Regula
vor einer Stunde
Antwort an

Danke für den spannenden Artikel! Deine letzte Antwort lässt mich schmunzeln: „Oft diskutieren wir stundenlang hin und her.“ Genau dort sehe ich die Grenzen von KI. In dieser Zeit könnte man auch mit anderen Menschen diskutieren oder andernorts recherchieren. Hier das richtige Mass zwischen KI und „analog“ zu finden, erachte ich als grosse Herausforderung.

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Edith Gould
vor einem Tag

Liebe Regula

Danke für diesen Einblick! Besonders Stark fand ich dein Resümee: "Vielleicht beginnt genau hier das eigentliche Nachdenken: nicht primär über KI, sondern darüber: was unsere Texte unverwechselbar macht." Ich danke dir für diesen wunderbaren Denkanstoss! Herzlich, Edith

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Regula Gmerkigs Blog
vor einem Tag
Antwort an

Danke dir Edith für die Bereitstellung dieser Plattform auch für kontroverse Themen wie eben KI. ;-) Ich bin gespannt auf Kommentare... Haut in die Tasten, liebe Schreibfrauen. :-D

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Beitrag: Blog2_Post

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